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60 Jahre Arbeiterwohlfahrt in Soltau

Im Herbst 2007 bestand der Ortsverein Soltau e. V. der Arbeiterwohlfahrt 60 Jahre. Er verband deshalb seine Mitgliederversammlung am 01. Dezember 2007 mit einer Art Festakt. Dieser begann mit einem Vortrag des 0rtsvereinschro-nisten über die Geschichte des Ortsvereins. Danach würdigten der als Ehrengast erschienene Landrat Manfred Ostermann und sein Stellvertreter Prof. Dr. Hans-Jürgen Sternowski das örtliche Wirken der Arbeiterwohlfahrt. Der langjährige Schriftführer führte u.a. aus:

Das erste halbe Jahrhundert der Ortsvereinsgeschichte wurde 1997 in der Broschüre "50 Jahre Arbeiterwohlfahrt im Altkreis Soltau - 1947 bis 1997" beschrieben. Diese kann der Interessierte in der Soltauer Bibliothek Waldmühle und in anderen Büchereien des Landkreises ausleihen.

Das halbe Jahrhundert umfasste zwei Perioden: In der ersten bemühten sich örtlich aktive Sozialdemokraten, die Nachkriegsnot praktisch zu lindern. Ihre bekanntesten Vertreter waren der Polsterer- und Tapeziermeister Friedo Wohlers (1890-1964), der städtische Hausmeister Hermann Schaardt (1896-1977), der Postbeamte Otto Husemann (1895-1957) sowie der Lehrer, später Rektor Andreas Otto (1918-1997). In der zweiten Periode ab 1958 gab der 1998 zum Ehrenvorsitzende gewählte Grundstückskaufmann Hellmut Rösel dem Ortsverein und zugleich dem Altkreisverband ein zeitgemäßes Gesicht. Das geschah durch die Festigung der organisatorischen Gliederung, eine Fülle von sozialen Aktivitäten und die Sicherung dieser sozialen Arbeit mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen, Zuwendungen und den Verkauf von Wohlfahrtsbriefmarken. Das Ende der "Ära Rösel" kündigte 1995 als Folge der kommunalen Verwaltungsgebietsreform die Zusammenlegung der Altkreisverbände zum neuen größeren AWO-Kreisverband Soltau-Fallingbostel an. Diesen organisatorischen Umbruch begleitete der 1924 geborene Hellmut Rösel im Ortsverein noch bis zum 28. November 1998, also bis in sein 75. Lebensjahr hinein.

Nach einer Art Zwischenakt mit dem damaligen Regierungsamtmann Heinz Dettmers als Ortsvereinsvorsitzendem wählte am 27. November 1999 eine knappe Mehrheit der Jahresmitgliederversammlung Siglinde Wein, die langjährige Stellvertreterin Hellmut Rösels, zur neuen Vorsitzenden des Ortsvereins. Ihr stellten sich mit Heinz Westermann als Stellvertreter, Anita Bargmann, Elfriede Bodenbinder, Sylvia Kühne, Irma Otto, Elisabeth Rennpferd, Rosemarie Stach sowie dem Ehepaar Inge und Heinz Wyrowski eine im Ehrenamt arbeitsfreudige Mannschaft oder besser Frauschaft zur Seite. Dieser Vorstand wurde zweimal für zwei Jahre wieder gewählt bzw. geringfügig verändert. Dabei löste Günter Winsemann als 2. Vorsitzender Heinz Westermann ab und wurde das männliche Element durch Siegfried Jedamski, Hans-Jürgen Meineke und Klaus Zollbeck verstärkt.

Dieses Arbeitsgremium fasste acht Jahre lang einstimmige Beschlüsse. Sein Ziel war es dabei, das Erbe Hellmut Rösels dankbar zu verwalten, die althergebrachten Aktivitäten der gesellschaftlichen Entwicklung anzupassen und neue Arbeitsfelder zu erschließen.


Goldenes Treuezeichen für 60 Jahre Mitgliedschaft

In seinen Jahresmitgliederversammlungen ehrt der Ortsverein langjährige Mitglieder. Am längsten Mitglied ist Frau Inge Göldner (in der Fotomitte stehend). Auf dem Bild zeichnet sie Vorsitzende Siglinde Wein (links stehend) mit dem Goldenen Treuezeichen für 60 Jahre Mitgliedschaft aus. Inge Göldner wurde bereits ab 1945 in der AWO als Erzieherin ausgebildet.


Für die Arbeiterwohlfahrt war und ist ein sinnvolles Miteinander der in Ortsvereine gegliederten Mitgliederorganisation und der in der Regel von den AWO-Bezirksverbänden - jetzt mit Hilfe von gemeinnützigen GmbH - getragenen sozialen Einrichtungen lebenswichtig. Im Soltauer Raum ging aus der einstigen Jugenderziehungsstätte Immenhof die Kindertagesstätte Hützel hervor. Ferner entstand in Soltau 1997 ein örtlicher TRIALOG-Einrichtungsverbund für die Betreuung von psychisch Gefährdeten und Kranken. Der Ortsvereinsvorstand sah es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, mit diesen örtlichen Einrichtungen Kontakt zu halten. Er strebte an, dass das Personal und die Nutzer der sozialen Einrichtungen sich bei der AWO wohl fühlen und den Charakter dieser aus der Arbeiterbewegung des späten 19. Jahrhunderts hervorgegangenen Wohlfahrtsorganisation schätzen.

Der dem Ortsverein verbleibende Anteil an Spenden und Zuwendungen erlaubte und erlaubt ihm besondere soziale Maßnahmen. Der Vorstand ermöglichte seit 1999 mit dem größten Teil der ihm zur Verfügung stehenden Finanzmitteln den beiden örtlichen sozialen AWO-Einrichtungen Anschaffungen und Aktivitäten, für die die Wirtschaftspläne keine oder unzureichende Ansätze vorsahen. Mit der Kindertagesstätte Hützel entwickelte er dabei eine Art Partnerschaftsverhältnis, das der AWO-Bezirksverband Hannover bereits bei der Bildungsmesse 2001 als vorbildlich in Bild und Wort bekannt machte.

Darüber hinaus pflegte und pflegt der Ortsverein die Zusammenarbeit mit allen anderen Wohlfahrtsverbänden. Er bewies das, indem er anderen Vereinen in Bedarfsfällen finanziell half, so der Jugendfreizeitbegegnungsstätte der Böhmestadt, dem Frauenhaus in Walsrode, der Kindertagesstätte der evangelischen
Kirche am Soltauer Drosteweg, in jüngster Zeit der Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks, Schülern der Musikschule sowie der Förderschule am Buchhopsweg. Besonders gern unterstützte er eine Gründung seines Mitgliedes und jetzigen Soltauer Bürgermeisters Wilhelm Ruhkopf, den Show-Palast der Hauptschule. Im Rahmen der Sommerferien-Betreuung der Schulkinder entwickelte und finanzierte er alljährlich ein Tagesprogramm. Die Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung veranlasste den Ortsverein zu vielen Angeboten für Senioren. Gemeinsam mit vier anderen Wohlfahrtsverbänden betreibt er seit Jahren die Seniorenbegegnungsstätte im Soltauer alten Rathaus.

Das Angebot an Ausflugsbusfahrten wurde im Laufe der Zeit auf um acht derartige Unternehmungen jährlich ausgebaut. Jeweils 40 bis 50 Teilnehmer lernen dabei Geschichte, politisch-wirtschaftliche Entwicklung und Kultur der Städte und Landschaften der erreichbaren Teile Norddeutschlands kennen. Die ehrenamtliche Organisation hält die Kosten für Busfahrt, Führungen, Eintrittsgelder und Imbiss in Grenzen. Die Teilnehmer tragen diese Kosten. Oft bleibt ein kleiner Betrag für besondere soziale Aktivitäten übrig. Mit ähnlichen Zielsetzungen und finanziellen Bedingungen wurde seit 2003 jährlich eine Fünf- oder Sechs-Tage-Busreise organisiert. Die monatlichen Klönschnack-Nachmittage erwiesen sich als ein weiteres Mittel, um der Vereinsamung von Senioren vorzubeugen.
Als Angebot nicht nur für Senioren entwickelte der Ortsverein die ortsgeschichtlichen Spaziergänge. Sie fanden seit dem Jahr 2000 in der Regel jährlich viermal statt. AWO-Mitglied und Altbürgermeister Wolfgang Bargmann vertiefte dabei mit Kurzvorträgen das Wissen der Bürger von der Geschichte der Stadt und ihrer Ortsteile. Bei schönem Wetter fanden sich dazu bis über 50 Teilnehmer ein. Oft gab es interessante Diskussionen vor allem mit Anwohnern. Der Ortsverein sieht diese Veranstaltungen als Bereicherung des kulturellen Lebens der Stadt und ist stolz darauf.


Geldzuwendungen im Rahmen seiner besonderen sozialen Aktivitäten vollzieht der AWO-Ortsverein Soltau e. V. meist mit der Überreichung eines übergroßen symbolischen Schecks. Ende 2007 unterstützte er u.a. die Jugendarbeit des Soltauer Technischen Hilfswerks. Stehend von links Schatzmeisterin Anita Bargmann, der Vorsitzende der THW-Hilfsvereinigung Jürgen Morawetz, sowie von der AWO der 2. Vorsitzende Günter Winsemann, der 1. Vorsitzende Jürgen Frost und Beisitzer Klaus Zollbeck.


In den Jahren 2000 bis 2006 leistete der Ortsvereinsvorstand viel Arbeit, um die Soltauer AWO zu einer Rechtsperson mit Zukunftsaussichten zu machen. Vor der letzten Jahrtausendwende ging das unermüdliche Vorstandsmitglied Elisabeth Rennpferd noch von Haus zu Haus die Mitgliedsbeiträge kassieren. 2002 führte der AWO-Bundesverband für den Bezirk Hannover die Zentrale Mitglieder- und Adressenverwaltung ein. Der Ortsvereinsvorstand musste entscheiden, ob er die Mitgliedsbeiträge einzeln von Bonn aus abbuchen lassen oder ein eigenes Einzugssystem einrichten wollte. Er beschloss Letzteres, um auch hinsichtlich der Beitragszahlung mit den Mitgliedern Kontakt zu halten. Die amtierenden Schatzmeisterinnen und ihre sie am Computer unterstützenden Ehepartner, Inge und Heinz Wyrowski, danach Anita und Klaus Bargmann, machten sich um den Einstieg des Ortsvereins in das Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung verdient.

Hinsichtlich der Verwaltung des Röselschen Immobilienerbes, sprich: Versammlungsraum und Büro an der Poststraße, war der Ortsverein lange Zeit von der Hilfe des Bezirks- und Kreisverbandes abhängig. Da der Ortsverein nicht gerichtlich registriert war, wurde zunächst der Bezirks-, dann der Kreisverband als Eigentümer des Ortsvereinsheims in das Grundbuch eingetragen. Das machte die Vertretung der AWO in den Eigentümer-Versammlungen des Poststraßenkomplexes schwierig. Allerlei Hürden mussten übersprungen werden, um am 22. Februar 2006 die Eintragung des Ortsvereins in das gerichtliche Vereinsregister und am 10. August 2006 die Eintragung als Eigentümer des Ortsvereinsheimes in das Grundbuch zu erreichen.

Somit fand der am 01. Dezember 2007 für vier Jahre neu gewählte Vorstand einen geebneten Weg in das siebente Vereinsjahrzehnt vor. Personell bedeutete dies den Stabwechsel beim Amt des 1. Vorsitzenden von Siglinde Wein an Jürgen Frost. Da zugleich der Ehemann Hanns-Ulrich Wein aus dem Vorstand ausschied, war zudem eine erfreuliche Verringerung des Durchschnittsalters der Vorstandsmitglieder zu verzeichnen. "Jüngere Ruheständler" können nun dem Leben des AWO-Ortsvereins Soltau e. V. neuen Schwung geben.